1. Worum geht es?

Was ist der VAR, der VA, der Video Assistant Referee oder auch der Video Assistent? Gleich zum Start, die offizielle Bezeichnung lautet VAR für Video Assistant Referee. Oft wird aber auch die deutsche Abkürzung VA für Video Assistent verwendet.
Diese Seite soll Euch alle Hintergründe zum VAR näherbringen. Die Technik des VAR, die Dynamik und Abläufe im Team der Unparteiischen und auch die Fragen wann der VAR eingreifen darf (oder muss) werden erklärt.

Bei unklaren Situationen soll der VAR durch zusätzliche Informationen für mehr Transparenz sorgen

2. Wann darf der Video Assistent eingreifen?

Die wichtigste Frage zuerst – welche Regeln gelten für den Video Assistenten? Grundsätzlich darf der VAR (Video Assistant Referee) nach drei Mustern auf das Spielgeschehen Einfluss nehmen:

  • Bei Fouls, die vom Schiedsrichter entweder nicht oder falsch bewertet wurde, jedoch nur bei
    • Elfmeter
    • einer roten Karte (nicht gelb, auch nicht, wenn diese zu gelb-rot führt)
    • nach einer Torerzielung
  • Bei einem nicht erkanntem Regelverstoß im Torentstehungsprozess wie z. B. Foul, Handspiel, Abseits, etc…
  • Bei der Verwechslung eines Spielers, der mit einer gelben, gelb-roten oder glatt-roten Karte bestraft wird

Das aktive Eingreifen des VAR in diesen drei Fällen ist laut den Regelstatuten immer noch nur möglich, wenn „nach seiner [der VAR] Einschätzung eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung des Schiedsrichters auf dem Platz vorliegt“.

3. Wie setzt sich das Team des VA (Video Assistenten) zusammen

Das Team des Video-Assistenten in einem Spiel der 1. oder 2. Bundesliga rekrutiert sich in der aktuell laufenden Saison (2019/2020) aus 32 aktiven wie ehemaligen DFB-Schiedsrichtern der 1. und 2. Bundesliga.

Dazu gehören alle aktiven Schiedsrichter der 1. Bundesliga und 5 ausgewählte qualifizierte Schiedsrichter der 2. Bundesliga. Durch eine Ausnahmeregelung kommt zusätzlich noch ein Schiedsrichter hinzu, der das Höchstalter von 47 Jahren für aktive Einsätze auf dem Rasen überschritten hat und für die Tätigkeit als VA reaktiviert wurde (Sonderfallregelung).

In der 2. Bundesliga können alle Schiedsrichter der beiden höchsten Ligen ohne Einschränkung als VA agieren. Laut DFB haben alle Video-Assistenten umfangreiche Schulungsmaßnahmen absolviert und wurden durch das IFAB (International Football Association Board) anerkannt. 

Der VAR soll eine höhere Sicherheit bei möglicherweise spieltentscheidenden Entscheidungen ermöglichen

Die zentrale Wirkungsstätte der VAs ist das VAC (Video-Assist-Center) in Köln. Als Grund für die zentralisierte Ausrichtung wird unter anderem die größere technische Sicherheit angegeben. In Köln besteht die Möglichkeit bis zu 10 Spiele gleichzeitig von je einem VA beobachten zu lassen. Auch bei der WM 2018, in welcher der Video-Schiedsrichter als erstes in einer Weltmeisterschaft erprobt wurde, wurden die Spiele zentral aus Moskau verfolgt.

4. Welche Technik kommt beim Video Assistenten zum Einsatz? 

Auch bei anderen Sportarten kommt das Hawk-Eye zum Einsatz

Zur Bewertung eines Spielereignisses dürfen von den VAs alle Kamera-Einstellungen herangezogen werden, die von der Sportcast GmbH zu Verfügung gestellt werden. Diese ist eine 100-prozentige Tochter der DFL, die das TV-Basissignal für alle Spiele der Bundesliga und 2. Bundesliga (plus Relegation und Supercup) für die nationalen und internationalen Rechteinhaber produziert.

Dabei stehen den Schiedsrichtern in Köln für Spiele der 1. Bundesliga 19-21 Kameras und in der 2. Bundesliga sieben bis elf Kameras zur Verfügung. Die Erfahrung zeigt, dass die VAs in der Regel diejenigen Kameraeinstellungen zur Bewertung heranziehen, die in beiden Ligen zur Verfügung stehen. Das IFAB schreibt nur eine Mindestmenge von vier Kameraeinstellungen vor.

 

Die „kalibrierte Abseitslinie“ spielt bei der Arbeit der Video Assistenten eine besondere Rolle. Hier kommt das System „Hawk-Eye“ zum Einsatz, welches ebenfalls bei der WM 2018 in Russland verwendet wurde. Durch die Zuhilfenahme eines künstlichen Lots soll das System bei besonders engen Szenen eine 3D-Ansicht bieten, um damit die Bewertungsgrundlage noch einmal zu erweitern. Wird eine mögliche Abseitssituation durch die VAs überprüft, soll dem Zuschauer außerdem über das TV Basissignal eine entsprechende Einblendung zur Verfügung gestellt werden.

5. Wie funktioniert die Kommunikation auf dem Platz? 

Die Schiedsrichter kommunizieren über Funkkontakt mit den Video-Assistenten in Köln. Der Kontakt darf von beiden Seiten angestoßen werden – im Fall einer „klaren und offensichtlichen Fehlentscheidung“ muss der Kontakt aus Köln kommen.

Die Schiedsrichter auf dem Platz nutzen dabei das Headset, mit welchem sie ohnehin schon mit den Linienrichtern und dem vierten Offiziellen in Kontakt stehen.

6. Der Video-Assistent im Spielgeschehen

Dem neutralen Betrachter stellt sich spätestens jetzt die Frage nach der Entscheidungshoheit unter allen Beteiligten, also wer in letzter Konsequenz ein Foul oder einen Regelverstoß als solchen deklariert. Diese Entscheidungshoheit liegt nach wie vor bei dem ersten Offiziellen. Der VA stellt damit nur einen weiteren Arm des Schiedsrichter-Teams dar – neben den Linienrichtern und dem vierten Offiziellen -, um dem ersten Offiziellen ein möglichst vollständiges Bild der betreffenden Szene zu ermöglichen. 

Jedem Video Assistenten stehen in Köln außerdem zwei Operatoren (in der 2. Bundesliga nur ein Operator) zur Seite. Die Operatoren haben die Aufgabe dem VA so schnell wie möglich die aussagekräftigsten Szenen und besten Perspektiven herauszusuchen und zur Verfügung zu stellen. Dem VA steht außerdem ein weiterer Assistent beratend zur Seite, der in logischer Konsequenz die Bezeichnung AVA – Assistant Video Assistant – trägt.

Linienrichter und VAR erfüllen nur eine unterstützende Funktion

Die viel diskutierte und tatsächlich in Einzelfällen sehr lange Dauer einer Video-Bewertung findet seine Grundlage in der fehlenden Regelung des Bewertungszeitraumes. Offiziell heißt es nur: „Ziel ist immer die möglichst schnelle Klärung“. Zur Orientierung kann die Saison 2018/2019 angeführt werden, in welcher die durchschnittliche Bewertung mit 61 Sekunden etwas mehr als eine Minute dauerte. Zum Vergleich: Bei der WM in Russland 2018 dauerte eine Bewertung im Schnitt 80 Sekunden.

Ein aktives Einfordern der Überprüfung einer Entscheidung oder Spielsituation, wie es beispielsweise im Tennis gelebt wird, ist jedoch nicht zulässig. Diese Option wurde schon mit Beginn der Testphasen im Jahr 2015 von der IFAB ausgeschlossen. Als Grund wird ein „zu erwartender, immenser Zeitverlust in jedem Spiel“ angeführt. Es wird darauf verwiesen, dass der VA ohnehin nur in jedem dritten Spiel Verwendung fände – eine Zahl, die sich jedoch nicht mit der subjektiven Wahrnehmung dieser Redaktion deckt.

Grundsätzlich steht es dem Schiedsrichter auf dem Platz zu jedem Zeitpunkt zu, sich eine Szene in der sogenannten Review Area noch einmal anschauen zu dürfen. Diese Review Area besteht aus dem Monitor am Spielfeldrand, der nur vom Schiedsrichter eingesehen werden darf. Der VA in Köln ist in diesem Fall gezwungen ebenfalls eine Bewertung der betrachteten Szene abzugeben, auch wenn er die Nachbewertung nicht angestoßen hat.

7. Und die Fans im Stadion?

Für alle vor den Bildschirmen, Leinwänden oder mobilen Endgeräten mag der VA nun eine ergänzende Information darstellen mit dem Ziel mehr Transparenz ins Spiel bringen.

Aber was ist eigentlich mit den Fans im Stadion? Im Fall einer Überprüfung aus Köln werden dem Heimklub einer Bundesliga Begegnung Textbausteine zur Verfügung gestellt. Sie können dann auf die Videowand eingespielt werden, um den Fans vor Ort Erklärungen hinsichtlich des Grundes der Überprüfung sowie die endgültige gefällte Entscheidung mitzuteilen. Die Textbausteine decken über 100 unterschiedliche Spielsituationen ab und müssen unverändert wiedergegeben werden.